Altersverifizierung in Schweden – ein rechtsfreier Raum ohne Aufsicht

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Altersverifizierung in Schweden – ein rechtsfreier Raum ohne Aufsicht

Trotz der Veränderungen im Snus-Markt und der Einführung neuer Gesetze herrscht in der Praxis weitgehende Missachtung der Vorschriften. Zahlreiche Berichte bestätigen dies: Die Regeln sind zwar richtig, aber die Kontrollen reichen nicht aus. Wir vom Snus-Kurier setzen uns mit demselben Eifer dafür ein, mit dem einst Cato der Ältere die Zerstörung Karthagos forderte.

35–52 % i Schweden verstossen gegen das Gesetz und verkaufen Snus an junge Menschen.

Bei einer landesweiten Überprüfung durch die schwedische Gesundheitsbehörde wurden Nikotinbeutel (auch als weisser Snus bekannt) in 35 % der Testkäufe an Minderjährige verkauft. Gleichzeitig zeigt eine Umfrage von Convenience Stores Sweden und OSS, dass 52 % der 600 im Rahmen der Almedalen Vecka getesteten Ladengeschäfte beim Kauf von verdächtig jungen Kunden keine Ausweiskontrolle durchführten (Convenience Stores Sweden 2025; Gesundheitsbehörde 2025a).

Eine regionale Umfrage in Stockholm mit sogenannten Testkäufern bestätigt dieses Bild: Eine erste Messung im Jahr 2023 ergab 48 %, eine Nachfolgemessung im Jahr 2024 59 % – trotz der Tatsache, dass Geschäfte mit klaren Informationen zu Altersgrenzen die Kontrollhäufigkeit auf 79 % erhöhten (Snusforumet 2025; Convenience Stores Sweden 2025).

Politiker und Industrie in Almedalen: Aufsicht allein reicht nicht aus, um junge Menschen zu schützen

Im Rahmen der Almedalen Woche 2025 veranstaltete der Schwedische Snus-Herstellerverband das Seminar „Reicht die kommunale Aufsicht aus, um Minderjährige vor Nikotin und Tabak zu schützen?“ (Snus-Herstellerverband 2025). Die Diskussion brachte Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Handel zusammen, um eine wachsende Besorgnis zu erörtern: die Nichteinhaltung der geltenden Gesetze zu Altersgrenzen und die unzureichende kommunale Aufsicht.

Im Mittelpunkt der Diskussion standen neue Daten aus kontrollierten Käufen in der Region Stockholm sowie eine größere Umfrage von Convenience Stores Sweden und OSS. Diese ergaben, dass über die Hälfte der Geschäfte die Ausweise junger Menschen beim Kauf von weißem Snus nicht kontrollieren.

„Dies ist ein wichtiger Weckruf“, sagte Robert Dimmlich, Geschäftsführer des Schwedischen Tankstellenverbands.

„Wir müssen herausfinden, was schiefgelaufen ist und wie wir unsere Mitglieder dabei unterstützen können, das Richtige zu tun.“

Bengt Hedlund, Geschäftsführer von Convenience Stores Sweden, betonte, dass viele Einzelhändler die neue Gesetzgebung noch nicht kennen:

„Wir dürfen nicht vergessen, dass dieses Gesetz sehr neu ist und nicht jeder weiss, was genau gilt.“

Von politischer Seite nahm unter anderem Louise Hammargren, 1. stellvertretende Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Jugendunion, teil. Sie erklärte:

„Auch Kinder konsumieren Nikotin – daran besteht kein Zweifel. Regeln allein werden das Problem nicht lösen.“

Alice Landerholm, politische Sekretärin der Moderaten in Strängnäs, forderte mehr Aufmerksamkeit für Einstellungen und Wissen:

„Wir dürfen nicht glauben, dass Altersgrenzen alles lösen. Es geht um Information, darum, junge Menschen in Schulen zu erreichen, ohne dabei moralisierend zu wirken.“

Das Seminar wurde von Tobias Krantz (Diplomat Communications) moderiert und von Patrik Strömer, Generalsekretär des Schwedischen Snus-Herstellerverbands, geleitet. Mehrere Teilnehmer, darunter Oskar Weinmar (M), Nike Örbrink (KD) und Christofer Fjellner (M), betonten, dass die Gemeinden nicht die gesamte Verantwortung allein tragen könnten – und dass sowohl der Staat als auch die Wirtschaft eine stärkere Rolle einnehmen müssten.

Snus hat Zigaretten bei jungen Leuten überholt

Statistiken von CAN und anderen Quellen zeigen einen deutlichen Wandel auf dem schwedischen Nikotinmarkt – weg vom Rauchen und hin zu weissem Snus und E-Zigaretten. Laut CAN macht weisser Snus mittlerweile etwa ein Drittel des gesamten Snuskonsums aus (CAN 2024). Zudem haben sich die Verkäufe von E-Liquids zwischen 2021 und 2023 verdoppelt (CAN 2024, Pressemitteilung).

Gleichzeitig ist der Zigarettenkonsum stark zurückgegangen. Laut der schwedischen Gesundheitsbehörde rauchen nur noch etwa 5,4 % der Bevölkerung täglich (Gesundheitsbehörde 2024), ein historisch niedriger Wert. Die Altersgruppe der 16- bis 29-Jährigen raucht sogar noch seltener.

Parallel zu diesem Rückgang hat der Konsum neuer Nikotinprodukte deutlich zugenommen:

Der Konsum von weissem Snus stieg bei jungen Frauen (16–29 Jahre) von 10 % im Jahr 2022 auf 15 % im Jahr 2024 und bei jungen Männern im gleichen Zeitraum von 5 % auf 11 % (Eine rauchfreie Generation 2024, Schwedische Gesundheitsbehörde 2024a).


Insgesamt stieg der Snuskonsum (weiss und braun) unter jungen Menschen von 22 % im Jahr 2022 auf 27 % im Jahr 2024 (Eine rauchfreie Generation 2024).


Unter den Schülern der 8. Klasse der Sekundarstufe II gaben 20–27 % an, in den letzten 30 Tagen weissen Snus konsumiert zu haben (Karolinska Institutet 2024).

Insgesamt zeigt der Trend, dass ein Rückgang des Rauchens nicht zu einem nikotinfreien Konsum führt, sondern vielmehr zu einer Veränderung des Nikotinkonsums – wobei weisser Snus und E-Liquids den Markt unter jungen Menschen erobern.

Verantwortliche Akteure und praktische Lösungen

Obwohl die Aufsicht vielerorts mangelhaft ist, gibt es Beispiele von Akteuren, die – lange vor Inkrafttreten gesetzlicher Vorgaben – klare Verantwortung übernommen haben. Snuset.de/Snuset.se, das auch hinter dem Snus-Kurier steht, ist eines dieser Beispiele.

Die Plattform führte frühzeitig eine doppelte Altersverifizierung ein: Kunden müssen sich beim Kauf zunächst per BankID und anschliessend bei der Lieferung an die Haustür oder an eine Abholstation erneut identifizieren. Minderjährige haben somit praktisch keine Möglichkeit, die Altersgrenze zu umgehen.

„Sicherheit sollte sowohl für die Verbraucher als auch für uns als Händler gelten“, so Carl Pilo Karth, CEO von Snuset.se (Snuset.se 2024).

Auf der Almedalen Week 2025 wurden zudem praktische Lösungen aus einer Mystery-Shopper-Studie in Stockholm (Snusforumet 2025) vorgestellt. Diese zeigen, wie auch stationäre Geschäfte ihren Verbraucherschutz verbessern können.

Beispiele für Maßnahmen zur Verbesserung der Altersverifizierung:

-Hinweisschilder an den Kassen: Erinnern Mitarbeiter und Kunden an die Altersgrenze.
-Integrierte Kassensysteme: Erkennen Produkte mit einer Altersgrenze von 18 Jahren automatisch und erfordern eine manuelle Überprüfung.
-Mitarbeiterschulungen: Regelmässige Aktualisierungen zu geltenden Gesetzen, Grenzen und Vorgehensweisen.
-Interne Erinnerungsfunktionen: Systeme, die warnen, wenn das Alter nicht überprüft wurde.
-Digitale Selbsttests: Tools für Geschäfte zur eigenständigen Durchführung von Kontrollen ohne externe Hilfe.

Ungleiche Wettbewerbsbedingungen – digital vs. physisch

Gleichzeitig stellt sich in der öffentlichen Debatte eine wichtige Frage: Warum gelten für Online-Verkäufe höhere Anforderungen als für den stationären Handel?

Während E-Commerce-Anbieter wie Snuset.se gezwungen sind, robuste Verifizierungssysteme mit BankID, Speicherung, Protokollierung und Lieferkontrolle einzuführen, genügt es in vielen Ladengeschäften, an der Kasse nach dem Ausweis zu fragen oder im schlimmsten Fall gar nicht danach zu fragen.

Laut einer im Juni 2025 veröffentlichten nationalen Kontrollstudie wurden 35 % der Verkäufe von Nikotin-Snus an Minderjährige ohne jegliche Altersverifizierung abgewickelt – trotz eindeutiger gesetzlicher Vorgaben (Schwedische Gesundheitsbehörde 2025a).

Dieses Ungleichgewicht zwischen den verschiedenen Vertriebskanälen birgt nicht nur Risiken für Kinder und Jugendliche, sondern führt auch zu verzerrtem Wettbewerb. Im stationären Handel ist es einfacher – und günstiger –, nachlässig zu sein, als online vorsichtig zu sein.

Klarere nationale Richtlinien, mehr Ressourcen für die kommunale Aufsicht und eine gemeinsame Verantwortung für den Schutz zukünftiger Konsumenten – unabhängig vom Vertriebskanal – sind daher notwendig.

Internationale Vergleiche zeigen mögliche Veränderungen

Schweden ist nicht das einzige Land, das mit dem Zugang junger Menschen zu Nikotinprodukten zu kämpfen hat – doch mehrere europäische Länder haben bereits strukturelle Lösungen eingeführt, die die Aufsicht verstärken und den Zugang einschränken.

In Finnland ist der Verkauf von aromatisiertem Snus und Nikotinprodukten verboten. Laut dem Nationalen Institut für Gesundheit und Wohlfahrt (THL) hat dies dazu beigetragen, dass es schwieriger geworden ist, neue Konsumenten unter Jugendlichen zu gewinnen, da Aromen oft als Einstieg in den regelmässigen Konsum dienen. Finnische Geschäfte riskieren zudem empfindliche Strafen für den Verkauf an Minderjährige, und die Aufsicht ist sowohl auf lokaler als auch auf nationaler Ebene integriert.

Deutschland verfügt über ein völlig anderes System: Dort werden Kontrollkäufe von unabhängigen Bundesbehörden und nicht von den Kommunen durchgeführt, was eine flächendeckende, gleichwertige Aufsicht gewährleistet (BZgA 2023). Das System ist zentralisiert, transparent und basiert auf regelmäßig veröffentlichten Messungen.

In Norwegen wurde mit der Einführung eines nationalen Nikotinregisters ein technologischer Fortschritt erzielt. Jedes einzelne Produkt muss dort gemeldet, einer Risikobewertung unterzogen und nachverfolgt werden. Dies liefert Behörden und Forschern Echtzeitdaten zu Marktentwicklungen – etwas, das Schweden derzeit fehlt.

Trotz dieser unterschiedlichen Modelle gibt es einen gemeinsamen Nenner: klare Aufgabenteilung, nationale Führung und regelmäßige Nachkontrolle. Alle Länder haben somit gezeigt, dass eine effektivere Aufsicht durchaus möglich – und oft unerlässlich für den Schutz junger Menschen – ist.

Was kann konkret getan werden?

In ihrem Bericht vom Juni 2025 schlägt die britische Gesundheitsbehörde mehrere notwendige Massnahmen vor: stärker kontrollierte Einkäufe, mehr Ressourcen für die Kommunen, strengere Sanktionen und eine klarere Gesetzgebung zum Marketing in digitalen Umgebungen (Britische Gesundheitsbehörde 2025b).

Der Verband der Snus-Hersteller geht noch einen Schritt weiter und schlägt ein verpflichtendes System für kontrollierte Einkäufe, eine bundesweite Pauschale für die Überwachung und Zielvorgaben für die Häufigkeit der Kontrollen vor, angelehnt an das Modell der Stadt Stockholm (Snus Forum 2025).

Snuset.se und der Snus-Kurier vertreten die grundsätzliche Ansicht: Mehr Kontrollen und klarere Regeln sind notwendig, müssen aber rechtlich abgesichert und technologieneutral gestaltet sein. Die Altersgrenze sollte unabhängig vom Vertriebskanal – ob physisch oder digital – gelten, doch ist der E-Commerce in vielen Bereichen bereits führend. Snuset.se führte die doppelte Altersverifizierung mit BankID und Ausweiskontrolle bei Lieferung bereits vor Inkrafttreten des Gesetzes im Jahr 2024 ein.

Um die derzeitige fragmentierte und ungleiche Kontrolle zu vermeiden, ist nun ein nationaler Standard erforderlich. Dieser sollte Folgendes umfassen:

-Gleiche Anforderungen für alle Beteiligten, unabhängig davon, ob der Verkauf im Geschäft, am Automaten oder online erfolgt.
-Standardisierte, rechtssichere Kontrollabläufe mit Rückverfolgbarkeit und Dokumentation.

Snuset.se hat fünf entscheidende Punkte für eine effektive Alterskontrolle identifiziert:

1-Die Identifizierung muss stets erforderlich sein, auch wenn der Kunde als volljährig wahrgenommen wird.

2-Die Technologie muss korrekt eingesetzt werden – nicht als Abkürzung, beispielsweise über ein Kassensystem mit Alterswarnung.

3-Eine klare Beschilderung an der Kasse stärkt die Verantwortung von Kunde und Personal.

4-Es müssen Routinen für schwierige Situationen vorhanden sein – niemand sollte das Alter des Kunden erraten müssen.

5-Doppelte Online-Verifizierungen, beispielsweise per BankID und Ausweiskontrolle bei Lieferung, sind Best Practice.

„Niemand sollte zögern müssen – die Altersgrenze gilt immer“, schreibt Snuset.se in seinem Leitfaden für die Branche (Snuset.se 2025).

Quellenangaben:

  • A Non Smoking Generation (2024). Den totala nikotinanvändningen i Sverige ökar – särskilt bland unga. Tillgänglig via: https://nonsmoking.se/den-totala-nikotinanvandningen-i-sverige-okar [åtkomst juli 2025].
  • BZgA (2023). Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Tillgänglig via: https://www.bzga.de [åtkomst juli 2025].
  • CAN (2024a). Skolundersökningen om alkohol och andra droger 2024. Stockholm: Centralförbundet för alkohol- och narkotikaupplysning.
  • CAN (2024b). Stora förändringar i bruk av tobak och nikotin. Pressmeddelande, 7 mars 2024. Tillgänglig via: https://www.can.se [åtkomst juli 2025].
  • Convenience Stores Sweden (2025). Vi måste bli bättre på ålderskontroller. Referat från Almedalsveckan 2025.
  • Folkhälsomyndigheten (2024a). Drygt fem procent av befolkningen röker cigaretter dagligen. Nyhet, 7 november 2024. Tillgänglig via: https://www.folkhalsomyndigheten.se [åtkomst juli 2025].
  • Folkhälsomyndigheten (2024b). Folkhälsoenkäten: Användning av nikotin fortsätter öka bland unga. Referat via Tobaksfakta. Tillgänglig via: https://tobaksfakta.se [åtkomst juli 2025].
  • Folkhälsomyndigheten (2025a). Barn och unga exponeras för nikotinsnus och e-cigaretter. 12 juni 2025. Tillgänglig via: https://www.folkhalsomyndigheten.se [åtkomst juli 2025].
  • Folkhälsomyndigheten (2025b). Rekommendationer om tillsyn och åtgärder. Juni 2025.
  • Karolinska Institutet (2024). Nikotin i ny skepnad – forskning om vejp och vitt snus. 24 juni 2024. Tillgänglig via: https://nyheter.ki.se [åtkomst juli 2025].
  • Snusforumet (2025). Skydda unga från nikotin – vägen till bättre tillsyn. 11 juni 2025. Tillgänglig via: https://snusforumet.se [åtkomst juli 2025].
  • Snuset.se (2024). Ålderskontroll – trygghet för både konsument och handlare. Tillgänglig via: https://www.snuset.se/snuskuriren/alderskontroll-trygghet-for-bade-konsument-och-handlare [åtkomst juli 2025].
  • Snustillverkarföreningen (2025). Är den kommunala tillsynen tillräcklig för att skydda minderåriga mot nikotin och tobak? Seminarium under Almedalsveckan 2025, 4 juli kl. 16.00–17.00, Strandgatan 30, Visby. Refererat av Convenience Stores Sweden. Tillgänglig via: https://conveniencestores.se/tidningsartiklar/3182-vagval-for-folkhalsan-minskad-konsumtion-eller-minskade-skador-av-tobak-2 [åtkomst 24 juli 2025].
  • THL (2023). Institutet för hälsa och välfärd, Finland. Tillgänglig via: https://thl.fi [åtkomst juli 2025].
  • Tobaksfakta (2025). Lätt att köpa snus i butik för minderåriga. 23 juni 2025. Tillgänglig via: https://www.tobaksfakta.se [åtkomst juli 2025].
  • Snuset.se (2025). Fem nyckelpunkter för effektiv ålderskontroll. Publicerad 18 juli 2025. Tillgänglig via: https://www.snuset.se/18-arsgrans/fem-nyckelpunkter-for-effektiv-alderskontroll [åtkomst juli 2025].

 

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